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Voices by rok. Kunst, Social Media und die Atmosphäre von Orten.

  • 15. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit
Robert Hamala

Lino von der Bey ist Künstler und Creative Director aus Düsseldorf. Seine künstlerische Arbeit entsteht intuitiv und ist geprägt von Musik, Momenten und persönlichen Eindrücken, die er in abstrakte Malerei übersetzt. Einige seiner Werke hängen dauerhaft in Düsseldorfer Restaurants und Bars und werden dort Teil der Räume selbst. Parallel arbeitet er als Creative Director mit Unternehmen aus dem Food-, Gastronomie- und Hospitality-Bereich. In dieser Rolle entwickelt er visuelle Konzepte und Inhalte für Social Media und digitale Plattformen, mit dem Fokus, die Wahrnehmung eines Ortes oder einer Marke gezielt zu gestalten. Ein Teil seiner Projekte entsteht im Atelier, ein anderer direkt vor Ort, etwa bei Hotel- und Restaurant-Eröffnungen, bei denen Live-Paintings Teil des Erlebnisses werden.


Du arbeitest sowohl als Künstler als auch als Art Director für Gastronomie- und Food-Marken.Wie unterscheiden sich diese beiden Rollen für dich?

Lino: Ich bewege mich ständig zwischen zwei Welten. Als Künstler arbeite ich intuitiv, fast körperlich. Musik, Erinnerungen, Orte, all das sind Einflüsse auf meine Arbeiten, ohne dass ich diese komplett kontrollieren will. Als Creative Director ist mein Blick ein anderer. Strategischer, klarer, zielgerichteter. Ich denke in Marken, in visuellen Systemen, in Wirkung. Was beide Rollen verbindet ist mein Fokus auf Atmosphäre. Nur die Richtung ist unterschiedlich. Einmal frei, einmal geführt.


Ein großer Teil deiner Arbeit findet heute auf Social Media statt. Wie verändert sich die Wahrnehmung eines Restaurants oder Hotels durch Bilder und visuelle Erzählung?

Lino: Heute beginnen die meisten Orte digital. Bevor jemand ein Restaurant betritt oder ein Hotel erlebt, hat er es meist schon auf Social Media gesehen. Diese Bilder sind nicht nur Dokumentation, sie sind Erwartung. Sie entscheiden darüber, ob ein Ort relevant wird oder in der Masse untergeht. Gute visuelle Erzählungen schaffen mehr als schöne Ästhetik. Sie transportieren Gefühle, bestehend aus Licht, Energie, Tempo. Und genau dieses Gefühl sorgt dafür, dass jemand denkt: „Da will ich hin."



Du produzierst Content für Gastronomie, deine Kunst hängt aber auch in Restaurants und Hotels oder entsteht bei Live-Paintings vor Ort .Wie unterschiedlich wirkt ein Ort digital im Vergleich zum echten Erlebnis?

Lino: Digital ist immer eine Inszenierung. Du entscheidest über Perspektiven, Licht, Timing. Du zeigst die relevanten Momente. Der reale Ort ist komplexer, unperfekter, echter. Die Herausforderung ist immer, beides miteinander zu verbinden. Wenn jemand einen Raum betritt und merkt: „Es fühlt sich genauso an, wie ich es erwartet habe.“ Dann entsteht Vertrauen. Und genau dann funktioniert die Arbeit.


Wenn du für ein Restaurant oder Hotel arbeitest: Was versuchst du visuell einzufangen, damit Menschen ein Gefühl für den Ort bekommen?

Lino: Mich interessiert nie nur der Raum, sondern das Leben darin. Wie fällt das Licht? Wie bewegen sich Menschen? Welche Details bleiben im Kopf hängen? Ein leerer Raum ist nur die Bühne. Erst durch Nutzung entsteht die gewisse Identität. Ich versuche immer, das Gefühl einzufangen, nicht nur das Bild eines Ortes.


In einigen Gastronomien in Düsseldorf hängen deine Werke.Was verändert Kunst für dich in solchen Orten?

Lino: Kunst verändert Räume sofort! Sie gibt ihnen Tiefe, Charakter, manchmal auch Reibung. Plötzlich wird ein Ort weniger austauschbar. Gerade in der Gastronomie, wo vieles ähnlich funktioniert, kann Kunst der entscheidende Unterschied sein. Sie schafft Gespräch, Emotion und Einzigartigkeit.


Woran merkst du, dass ein Raum wirklich mit einem Kunstwerk funktioniert – und wann wirkt Kunst eher wie Dekoration?

Lino: Kunst funktioniert dann, wenn sie mehr ist als Dekoration. Wenn sie nicht nur „passt“, sondern etwas hinzufügt oder bewusst dagegen arbeitet. Die unsichtbare Spannung ist entscheidend. Ich merke das immer an den Menschen: Bleiben sie stehen? Schauen sie länger hin? Sprechen / Diskutieren sie darüber? Dann ist Kunst wirklich Teil des Raumes.


Viele Orte wirken trotz guter Architektur austauschbar. Was fehlt aus deiner Sicht, wenn Räume keine eigene Identität entwickeln?

Lino: Viele Räume sind perfekt gestaltet und trotzdem austauschbar. Warum? Weil ihnen Charakter fehlt. Alles ist schön, aber nichts bleibt hängen. Was starke Räume ausmacht, ist ein klares Narrativ. Eine Idee, die sich durchzieht. Ecken, Kanten und Brüche. Dinge, die man nicht sofort in Worte fassen kann, aber spürt.


Was könnten Immobilienprojekte oder Entwickler von Gastronomie und Hotellerie lernen, wenn es darum geht, Orte zu schaffen, die Menschen wirklich wahrnehmen und erinnern?

Lino: Ich glaube, viele Projekte denken immer noch zu sehr in Flächen und zu wenig in dem, was dort eigentlich passiert. Am Ende erinnert sich niemand an einen Grundriss. Man erinnert sich daran, wie sich ein Ort angefühlt hat. Und genau da wird es spannend. Wenn ich mir viele Projekte anschaue, fehlt oft die Frage: Warum sollte jemand hier wirklich gerne Zeit verbringen? Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Für mich geht es weniger darum, wie ein Raum aussieht, sondern wie er genutzt wird. Welche Stimmung entsteht dort? Wie bewegen sich Menschen? Was passiert an einem guten Abend? Wenn man das früh mitdenkt, entstehen ganz andere Orte. Und genau die bleiben hängen.


Gute Orte entstehen nicht nur durch Architektur, sondern durch Atmosphäre. Sie zeigen, wofür sie stehen und welches Gefühl Menschen dort erwartet. Lino von der Bey macht deutlich, dass Bilder, Kunst und visuelle Erzählung entscheidend dafür sind, wie Räume wahrgenommen werden. Orte bleiben im Gedächtnis, wenn sie mehr sind als Kulisse. Wenn aus Gestaltung ein Erlebnis wird und aus einem Raum ein Ort, an den Menschen zurückkehren wollen.


Ein Gespräch im Rahmen unserer Reihe voices by rok.


Fotos: Artur Freund

Interview: Robert Kollár, rok.

 
 
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